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	<title>Green Leaf Society e.V.</title>
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	<description>Berlins 1. Anbauvereinigung</description>
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		<title>Folge 3- Recherche und Tapas</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 13:46:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Folge 03 · Weibliche Bl&#252;ten, m&#228;nnliche B&#252;hnen Nachdem für mich klar war, dass Cannabis weder Teufelszeug noch Brokkoli ist, blieb eine ziemlich unangenehme Frage übrig: Wie sieht ein erwachsener Umgang damit eigentlich aus? Nicht als Positionspapier. Nicht als Talkshow-Satz. Nicht als deutsche Grundsatzdebatte, in der Menschen sehr lange „Eigenverantwortung“ sagen können, ohne selbst irgendetwas zu&#8230;&#160;<a href="https://greenleafz.de/folge-3-recherche-und-tapas/" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Folge 3- Recherche und Tapas</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://greenleafz.de/folge-3-recherche-und-tapas/">Folge 3- Recherche und Tapas</a> erschien zuerst auf <a href="https://greenleafz.de">Green Leaf Society e.V.</a>.</p>
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<article class="glz-column-post">
  <header class="glz-column-post-hero">
    <p class="glz-kicker">Folge 03 · Weibliche Bl&uuml;ten, m&auml;nnliche B&uuml;hnen</p>
   
    <p class="glz-column-post-lead">Nachdem für mich klar war, dass Cannabis weder Teufelszeug noch Brokkoli ist, blieb eine ziemlich unangenehme Frage übrig: </p>
  </header>



<p>Wie sieht ein erwachsener Umgang damit eigentlich aus? Nicht als Positionspapier. Nicht als Talkshow-Satz. Nicht als deutsche Grundsatzdebatte, in der Menschen sehr lange „Eigenverantwortung“ sagen können, ohne selbst irgendetwas zu verantworten. Sondern in echt.</p>



<p>Als Raum, durch dessen Tür echte Menschen gehen. Denn genau das fehlte mir in Deutschland.</p>



<p>Hier wurde viel erklärt. Sehr viel. Die Verbotsseite erklärte den Untergang. Die Szene erklärte Freiheit. Die Politik erklärte Säulen. Und irgendwo dazwischen fehlte mir der Ort, an dem man sehen konnte, ob diese ganze Theorie funktioniert, wenn Menschen nicht mehr nur darüber reden, sondern tatsächlich zusammenkommen.</p>



<p>Deutschland diskutierte Cannabis, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: wegsperren oder bejubeln. Beides war mir zu wenig. Ich wollte wissen, ob es irgendwo ein Modell gibt, das nicht nach Dealer, nicht nach Dispensary und nicht nach „Legalize it“-Männerchor klingt. Ein Freund sagte irgendwann: „Dann schaut es euch doch direkt in Spanien an.“ </p>



<p>Das klang vernünftig.</p>



<p>Und gefährlich nah an Urlaub. Viele Entscheidungen, die später nach Bauamt, Kreditvertrag und Papierkrieg aussehen, beginnen erstaunlich harmlos. Man sagt: „Wir schauen uns das nur mal an.“ Und meinte damit eigentlich: Ich möchte eine Idee begreifen, bevor sie mich aus Unwissenheit ruiniert.</p>



<p>Also fuhren meine Frau und ich nach Barcelona. Natürlich zur Recherche. Das war die offizielle Version. Die inoffizielle Version enthielt Tapas, Sonne und die naive Hoffnung, dass politische Bildung gelegentlich auch in Städten stattfinden darf, die nicht nach Aktenordner riechen. </p>



<p>Barcelona ist kein Paradies. Das muss man direkt sagen, bevor wieder irgendjemand denkt, ich hätte dort zwischen Sangria und Sagrada Família die perfekte Cannabiswelt gefunden. Habe ich nicht.</p>



<p>Auch Barcelona hat Tourismus, Grauzonen, Clubs mit fragwürdigem Charme und vermutlich mehr Kreuzfahrtschiffe, als eine Stadt mit Würde ertragen sollte. Aber Barcelona hatte etwas, das Deutschland beim Thema Cannabis selten hatte: eine gewisse Entspanntheit, die nicht sofort in das Märchen des Kontrollverlust kippte.</p>



<p>Cannabis war dort nicht unsichtbar. Aber auch nicht überall. Es war nicht das Ende der Zivilisation. Es war nicht automatisch Lifestyle. Es war Teil einer gewachsenen Kultur: politisch, sozial, kompliziert. Bei Cannabispolitik bekommt man selten nur eine Schublade. Meistens bekommt man gleich den ganzen Schrank.</p>



<p>Wir hatten eine Empfehlung bekommen: ein Club in der Nähe der Sagrada Família. Allein dies war absurd genug.</p>



<p>Die Sagrada Família steht wie ein sehr schönes Mahnmal dafür, dass auch andere Länder Fertigstellungstermine eher als Gesprächsangebot verstehen. Deutschland hat also nicht einmal auf Bauverzögerung ein Monopol. In der Nähe dieses gewaltigen, unvollendeten Gebäudes sollten wir also einen Cannabis Club besuchen.</p>



<p>Ich hatte keine genaue Vorstellung davon, was uns erwartet. Natürlich ist das gelogen. Man hat immer Vorstellungen. Man nennt sie nur gern „offen sein“, damit sie gebildeter klingen. Vielleicht erwartete ich einen dunklen Raum. Vielleicht sehr viel Rauch. Vielleicht Menschen, die so aussahen, als hätten sie ihre komplette Persönlichkeit an eine Pflanze ausgelagert. Vielleicht Szene. Vielleicht Tourismus. Vielleicht dieses leicht unangenehme Gefühl, irgendwo gelandet zu sein, wo alle schon länger dazugehören als man selbst.</p>



<p>Stattdessen landeten wir auf einer Geburtstagsfeier. Nicht auf irgendeiner. Auf der 10- Jährigen Geburtstagsfeier des Vereins. Das war der erste Moment, in dem meine inneren Vorurteile kurz technische Probleme hatten. Der Raum war nicht luxuriös. Nicht durchdesignt. Nicht so ein Start-up-Traum in Schwarz, Gold und Hanfblatt, bei dem man schon an der Wandgestaltung merkt, dass gleich jemand „Premium Experience“ sagt. Er war einfach ein Ort.</p>



<p>Mit Menschen. Jüngeren. Älteren. Menschen, die begrüßt wurden. Menschen, die sich kannten. Menschen, die nicht so wirkten, als müssten sie für irgendjemanden ein Klischee erfüllen. Das war fast irritierend. In Deutschland wurde über Cannabisräume oft gesprochen, als könnten sie nur aus Rausch bestehen. Als würde ein Ort, in dem Cannabis eine Rolle spielt, automatisch jede andere soziale Funktion verlieren. Dieser Raum tat das nicht.</p>



<p>Er bestand aus Gesprächen. Aus Wiedersehen. Aus Musik. Aus Vereinsgeschichte. Und ja, natürlich auch aus Cannabis. Aber Cannabis fraß nicht den ganzen Raum auf.</p>



<p>Das war der Unterschied.</p>



<p>Meine Frau sah das schneller als ich. Sie versteht Menschen ohnehin schneller. Ich verstehe Zahlen, Abläufe, Risiken und stelle als erstes die Frage, warum niemand vorher an die zweite Unterschrift gedacht hat. Meine Frau versteht Räume. Stimmungen. Blicke. Ob Menschen sich sicher fühlen. Ob jemand wirklich zuhört. Ob Gemeinschaft nur behauptet wird oder tatsächlich stattfindet. </p>



<p>Während ich innerlich Zugang, Mitgliedschaft, Kosten und Rahmenbedingungen sortierte, sah sie etwas Einfacheres: Die Menschen mussten sich nicht verstecken. Und das verändert alles.</p>



<p>Wer sich nicht verstecken muss, muss weniger Theater spielen.</p>



<p>Illegalität produziert nicht nur Risiken. Sie produziert Rollen. Man spricht anders. Man weicht aus. Man tarnt. Man testet, wem man was sagen kann. Man baut Codes, Geheimnisse und manchmal eine ganze Identität um etwas herum, das eigentlich nicht das ganze Leben erklären müsste.</p>



<p>In diesem Club war Cannabis nicht heimlich. Aber es war auch nicht aufdringlich.</p>



<p>Es war eingebettet. In Mitgliedschaft. In Regeln. In Beziehungen. In eine Geschichte dieses Ortes.</p>



<p>Das war stärker als jede deutsche Grundsatzrede, die ich bis dahin gelesen hatte. Dann gab es eine Ansprache. Ich verstand nichts. Mein Spanisch reichte für Begrüßung, Essen bestellen und den Versuch, nicht versehentlich Dinge zu bestellen, die mich aus dem Meer heraus vorwurfsvoll anschauen. Also nutzten wir Google Translate.</p>



<p>Das ist keine besonders würdevolle Art, einer emotionalen Rede zu folgen. Aber würdevolle Lösungen sind im echten Leben oft erstaunlich unpraktisch.</p>



<p>Satz für Satz wurde klarer, worum es ging. Um die Geschichte des Clubs. Um Menschen, die ihn aufgebaut hatten. Um Schwierigkeiten.</p>



<p>Um Zusammenhalt. Um Stolz. Nicht dieses laute „Wir sind die Größten“, das in manchen Szenen gern mit Bedeutung verwechselt wird. Eher ein ruhiges: Wir haben das hier gemeinsam geschafft. Und genau da wurde es für mich interessant. Ich hatte bis dahin in Deutschland viele Menschen über Cannabis reden hören. Über Freiheit. Über Rechte. Über Prohibition. Über Konsum. Über Märkte. Über Modelle.</p>



<p>Aber hier sah ich etwas anderes: Bindung.</p>



<p>Nicht kitschig. Nicht als Vereinsromantik. Sondern als soziale Tatsache. Menschen kamen nicht nur, weil dort Cannabis war. Sie kamen, weil dort ein Ort war, der ihnen gehörte. Nicht im Eigentumssinn. Im Beziehungssinn. Das ist ein riesiger Unterschied.</p>



<p>Ein Dealer bietet Versorgung. Ein Shop bietet Ware. Ein Verein müsste mehr bieten: Zugehörigkeit mit Regeln. Und genau an dieser Stelle wird es unbequem. Denn viele, die in Deutschland später sehr begeistert von Cannabis Social Clubs sprachen, meinten im Grunde keine Clubs.</p>



<p>Sie meinten legale Bezugsstellen mit hübscherem Namen. Ein bisschen Mitgliedschaft, solange sie nicht stört. Ein bisschen Gemeinschaft, solange sie niemanden verpflichtet. Ein bisschen Prävention, solange sie in der Schublade bleibt. Ein bisschen Verein, solange sich niemand wie ein Vereinsmitglied benehmen muss. Das ist kein Club. Das ist ein Shop mit Satzung.</p>



<p>Barcelona zeigte mir nicht, wie man es perfekt macht. Aber Barcelona zeigte mir, wie falsch die deutsche Fantasie werden konnte, wenn man das Soziale aus dem Modell herauskürzt und nur noch die Abgabe übrig lässt. Nach der Feier sprachen wir mit Villan, dem Vorstand des Clubs und Ana Afuera von ENCOD.</p>



<p>ENCOD war mir vorher schon begegnet: ein europäisches Netzwerk, das sich lange mit Drogenpolitik beschäftigt hatte, bevor Cannabis in Deutschland plötzlich regierungsfähig wurde.</p>



<p>Das Gespräch war wohltuend anders. Weniger Bühne. Mehr Erfahrung. Weniger „Ich erkläre dir jetzt mal die Freiheit“. Mehr: Das sind die Dinge, an denen solche Strukturen wirklich hängen. Es ging um Regeln. Um Vertrauen. Um Mitglieder. Um Behörden. Um Verantwortung.</p>



<p>Um die Frage, wie man nicht-kommerzielle Modelle schützt, bevor sie von Marktlogik, Eitelkeit oder politischer Angst zerlegt werden. Und es ging um Akzeptanz. Nicht Akzeptanz im Sinne von: alles egal, Hauptsache Hanfblatt drauf. Sondern Akzeptanz als nüchterne Erkenntnis: Menschen konsumieren. Sie tun es ohnehin.</p>



<p>Die Frage ist, ob man sie in Unsichtbarkeit, Schwarzmarkt und Scham drückt oder ob man Strukturen baut, in denen Risiken kleiner werden, weil man Menschen ernst nimmt. Das war für mich der Kern. Nicht Cannabis feiern. Nicht Cannabis verstecken. Sondern Verantwortung organisieren. Das klingt trocken.</p>



<p>Ist es auch. Aber genau darin lag die Kraft.</p>



<p>Ein Verein konnte bedeuten: Mitgliedschaft statt Laufkundschaft. Begrenzung statt Absatzlogik. Prävention statt Werbesprache. Regeln statt Bauchgefühl. Nicht automatisch. Nicht garantiert. Nicht, weil irgendwo „Club“ draufsteht. Aber möglich. Und Möglichkeit ist gefährlich. Möglichkeit bringt Menschen auf Ideen.</p>



<p>Auf dem Rückweg durch Barcelona dachte ich nicht: So machen wir das jetzt genauso. Das wäre albern gewesen. Deutschland würde niemals einfach etwas übernehmen, nur weil es funktioniert. Deutschland würde erst prüfen, ob Funktionieren mit genügend Papier untermauert werden kann. </p>



<p>Aber ich dachte: Es geht.</p>



<p>Ein Raum, in dem Cannabis vorkommt, muss kein Kifferklischee sein. Ein Club kann mehr sein als eine Ausgabestelle. Erwachsene Menschen können erwachsen behandelt werden, ohne dass sofort die Gesellschaft implodiert.</p>



<p>Und Gemeinschaft entsteht nicht durch das Wort Gemeinschaft. Sie entsteht durch Arbeit. Das war die unbequeme Erkenntnis. Denn Arbeit bedeutet Zuständigkeit. Geld. Konflikte. Grenzen.</p>



<p>Menschen, die nicht nur „wir müssten“ sagen, sondern etwas tun. In Barcelona sah ich zum ersten Mal ein Bild davon. Und manchmal ist ein Bild gefährlicher als ein Konzept. Ein Konzept kann man abheften.</p>



<p>Ein Bild bleibt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2026/07/8B42D6BF-3C69-45B3-828A-7F02E3DB1369.jpg" alt="Barcelona 2023" class="wp-image-1698" srcset="https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2026/07/8B42D6BF-3C69-45B3-828A-7F02E3DB1369.jpg 1024w, https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2026/07/8B42D6BF-3C69-45B3-828A-7F02E3DB1369-300x225.jpg 300w, https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2026/07/8B42D6BF-3C69-45B3-828A-7F02E3DB1369-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Was davon bleibt</h2>



<p>Barcelona hat mir nicht gezeigt, wie man in Deutschland eine Anbauvereinigung gründet.</p>



<p>Dafür ist Deutschland zu talentiert darin, gute Ideen erst einmal durch Zuständigkeit, Misstrauen und Formularlogik zu drehen. Barcelona hat mir etwas anderes gezeigt:</p>



<p>Cannabis muss nicht nach Schwarzmarkt aussehen. Ein Club muss nicht nach Konsumromantik aussehen. Und ein Verein darf nicht zur Ausgabestelle mit Vereinsregistereintrag verkommen.</p>



<p>Wenn man das Soziale aus einem Cannabis Social Club entfernt, bleibt am Ende nur Cannabis übrig. Und dann muss man sich nicht wundern, wenn alle nur noch über Abgabe, Mengen und Preise reden. Mich interessierte ab diesem Moment nicht mehr nur die Frage, ob so ein Modell möglich ist. </p>



<p>Mich interessierte, ob man es richtig machen kann. Nicht perfekt.</p>



<p>Richtig. Mit Rückrat. Mit Regeln. Mit Menschen, die nicht versteckt werden müssen. Ich kam nicht aus Barcelona zurück und dachte: Jetzt gründen wir sofort einen Socialclub.</p>



<p>So funktionieren solche Geschichten nur in schlechten Gründerfilmen. Ich kam zurück und dachte:</p>



<p>Das ist möglich. <br>Nicht billig. Nicht bequem. Nicht ohne Streit. Nicht ohne Bürokratie. Aber möglich. </p>



<p>Leider reicht möglich bei mir manchmal schon um mich noch tiefer in die Scheiße zu reiten.</p>



<p>Zu diesem Zeitpunkt war der Referentenentwurf des späteren Cannabisgesetzes bereits veröffentlicht. Und während ich noch versuchte, aus Barcelona ein Bild von gelebter Normalität mitzunehmen, zeigte Deutschland schon wieder, wie es gute Ideen verarbeitet:</p>



<p>Es macht daraus eine Staatsaffäre.</p>



<p>In der Gründungscommunity des späteren CAD, damals noch ohne offiziellen Verband, hatten wir bereits eine Stellungnahme und konstruktive Änderungsvorschläge an das Bundesgesundheitsministerium geschickt. Das Ergebnis war ungefähr das, was in Deutschland oft passiert, wenn man keine große Institution, keine finanzstarke Lobby und keinen wirtschaftlichen Apparat im Hintergrund hat:</p>



<p>Man wird freundlich zur Kenntnis genommen. Und dann ignoriert. </p>



<p>Das „Social“ in Cannabis Social Clubs spielte im politischen Entwurf kaum eine Rolle. Es ging um Kontrolle, Beschränkung, Abstand, Zuständigkeit und Misstrauen. Gemeinschaft kam vor, aber eher wie ein dekoratives Element auf einem Verwaltungsakt, es nannte sich Mitwirkung&#8230;.</p>



<p>Wir versuchten mit den Mitteln, die wir hatten, noch auf Abgeordnete und den Gesundheitsausschuss einzuwirken. Was daraus geworden ist, kann heute jeder an der aktuellen Lage selbst sehen.</p>



<p>Aber damals war ich noch optimistisch genug, zu glauben, dass Argumente zählen könnten.</p>



<p>Auch das war eine Phase.</p>



<p>Hinweis:</p>



<footer class="glz-column-post-note">
    <p>
      Diese Kolumne erzählt persönliche Erfahrungen aus der Gründung und Arbeit der Green Leaf Society e.V. Sie ist keine Werbung für Cannabis und kein Konsumanreiz, sondern ein Einblick in Vereinsarbeit, Legalisierung und Verantwortung.
    </p>
    <p>
      Green Leaf Society e.V. ist eine nicht-kommerzielle Anbauvereinigung in Berlin. Informationen zu Mitgliedschaft, Voraussetzungen, Beiträgen, Prävention und Vereinsstruktur findest du auf den Informationsseiten des Vereins.
    </p>
  </footer>
</article>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://greenleafz.de/folge-3-recherche-und-tapas/">Folge 3- Recherche und Tapas</a> erschien zuerst auf <a href="https://greenleafz.de">Green Leaf Society e.V.</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Folge 2- Weder Teufelszeug noch Brokkoli</title>
		<link>https://greenleafz.de/folge-2-weder-teufelszeug-noch-brokkoli/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 15:45:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Folge 02 · Weibliche Bl&#252;ten, m&#228;nnliche B&#252;hnen Der Müll stand wahrscheinlich wirklich noch da. Ich weiß es nicht mehr sicher. Aber es fühlt sich wahr an. Und manchmal ist das bei Erinnerungen gefährlich nah an der Realität. Nach der ersten Google-Suche war ich noch nicht überzeugt, dass ich irgendetwas gründen sollte. Ich war nur irritiert.&#8230;&#160;<a href="https://greenleafz.de/folge-2-weder-teufelszeug-noch-brokkoli/" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Folge 2- Weder Teufelszeug noch Brokkoli</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://greenleafz.de/folge-2-weder-teufelszeug-noch-brokkoli/">Folge 2- Weder Teufelszeug noch Brokkoli</a> erschien zuerst auf <a href="https://greenleafz.de">Green Leaf Society e.V.</a>.</p>
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<article class="glz-column-post">
  <header class="glz-column-post-hero">
    <p class="glz-kicker">Folge 02 · Weibliche Bl&uuml;ten, m&auml;nnliche B&uuml;hnen</p>
   
    <p class="glz-column-post-lead">Der Müll stand wahrscheinlich wirklich noch da.
Ich weiß es nicht mehr sicher. Aber es fühlt sich wahr an. Und manchmal ist das bei Erinnerungen gefährlich nah an der Realität.</p>
  </header>



<p>Nach der ersten Google-Suche war ich noch nicht überzeugt, dass ich irgendetwas gründen sollte.</p>



<p>Ich war nur irritiert. Das ist bei mir meistens der Anfang.</p>



<p>Andere Menschen lesen etwas, finden es komisch und machen dann weiter mit ihrem Leben. Ich lese etwas, finde es komisch und beginne, Tabs zu sortieren, Begriffe nachzuschlagen und mir innerlich eine Tabelle anzulegen, die niemand bestellt hat. Cannabis Social Clubs klangen erst einmal vernünftig.</p>



<p>Und genau das machte mich misstrauisch.</p>



<p>Denn wenn in Deutschland etwas vernünftig klingt, dauert es meistens nicht lange, bis jemand erklärt, warum es leider nicht geht, wegen Zuständigkeit, Brandschutz, europarechtlicher Fragen oder weil in Anlage 3b noch eine Unterschrift fehlt.</p>



<p>Aber bevor ich überhaupt verstehen konnte, wie so ein Club praktisch funktionieren sollte, musste ich etwas anderes sortieren. Meine eigene Haltung zu Cannabis. Denn ich merkte schnell: Wer sich mit Cannabis beschäftigt, wird sehr schnell in eine Ecke gestellt.</p>



<p>Entweder man ist gefährlich liberal. Oder langweilig spießig. Entweder man ist für Freiheit. Oder für Verbote. Entweder man hat verstanden, dass Cannabis eine Pflanze ist. Oder man ist Teil eines finsteren Systems aus Angst, Pharmaindustrie und CSU-Pressemitteilungen.</p>



<p>Dazwischen war erstaunlich wenig Platz.</p>



<p>Ich fand das schwierig. Nicht, weil ich keinen Standpunkt hatte. Sondern weil ich einen Standpunkt hatte, der in diese Schubladen nicht richtig hineinpasste. Ich hielt das Cannabisverbot für falsch. Aber ich hielt Cannabis nicht für harmlos. Ich wollte Entkriminalisierung. Aber keine Verharmlosung.</p>



<p>Ich wollte Normalität. Aber keine neue Industrie, die aus jeder Sorte ein Lifestyle-Produkt macht. Ich wollte, dass Erwachsene nicht kriminalisiert werden, weil sie Cannabis konsumieren. Aber ich wollte auch nicht so tun, als sei jeder Konsum automatisch reflektiert, gesund, politisch widerständig und irgendwie von der Natur persönlich abgesegnet.</p>



<p>Cannabis war kein Teufelszeug. Aber es war auch kein Brokolli.</p>



<p>Das klingt banal. War es aber nicht. Denn die deutsche Debatte hatte jahrelang so getan, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten.</p>



<p>Entweder Cannabis ist der Einstieg in den Untergang, eine Art botanischer Abgrund, aus dem niemand zurückkehrt, sobald er einmal daran gerochen hat. Oder Cannabis ist eine missverstandene Wunderpflanze, die eigentlich nur deshalb Probleme macht, weil schlechte Menschen sie verboten haben. Beides war mir zu einfach.</p>



<p>Und einfache Antworten sind meistens dort besonders beliebt, wo niemand Lust hat, Verantwortung zu übernehmen. Ich hatte keine Lust auf eine Legalisierung, die nur die Vorzeichen austauscht. Vorher: Cannabis ist böse. Nachher: Cannabis ist super.</p>



<p>Das wäre keine Aufklärung gewesen. Das wäre nur die Umkehrung derselben Denkfaulheit.</p>



<p>Ich wollte nicht, dass Deutschland jahrzehntelang Panik erzählt und danach plötzlich so tut, als sei Konsum ohne Risiko, nur weil es politisch gerade besser passt. Alles, was wirkt, kann auch schaden. Das gilt für Alkohol. Das gilt für Medikamente. Das gilt für Glücksspiel. Das gilt für soziale Medien.</p>



<p>Und ja, das gilt auch für Cannabis.</p>



<p>Die Frage ist nicht, ob Risiken existieren. Die Frage ist, ob man ehrlich genug ist, sie zu benennen, ohne Menschen dafür zu behandeln, als wären sie Kinder oder Straftäter. Genau dort lag für mich der Unterschied. Ich hatte kein Interesse daran, erwachsene Menschen zu bevormunden. Aber ich hatte auch kein Interesse daran, Verantwortung mit Coolness zu verwechseln. Deutschland hatte sich beim Thema Cannabis jahrzehntelang sehr sicher gefühlt. Nicht sachlich sicher. Moralisch sicher. Cannabis war illegal, also war die Sache erledigt.</p>



<p>Das ist eine sehr deutsche Form der Problemlösung: Man erklärt etwas für verboten und nennt das dann Ordnung. Ob Menschen trotzdem konsumieren, war zweitrangig. Ob sie wissen, was sie konsumieren, auch.Ob sie auf dem Schwarzmarkt landen, mit gestreckter Ware, unbekannten Wirkstoffgehalten, problematischen Kontakten und keinerlei Beratung, spielte in der praktischen Debatte oft eine erstaunlich kleine Rolle. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hauptsache, auf dem Papier war die Welt sortiert.</p>



<p></p>
</blockquote>



<p>Das Papier hatte nur einen Nachteil. Menschen hielten sich nicht daran. Sie konsumierten trotzdem. Heimlich. Schlecht informiert. Mit schlechtem Gewissen oder ohne. Mit Risiko oder ohne Bewusstsein für Risiko. Mit Dealer oder Freundeskreis. Mit Glück oder Pech. Und jedes Mal konnte Deutschland sagen: Das ist verboten, dafür sind wir nicht zuständig. Diese Haltung fand ich feige. Nicht Verantwortungsbewusst. Feige.</p>



<p>Denn Strenge kann Verantwortung sein, wenn sie ehrlich ist. Aber Wegsehen hinter einem Verbot ist keine Verantwortung. Es ist nur bequem. Gleichzeitig störte mich aber auch der Ton auf der anderen Seite.</p>



<p>Viele Legalisierungsbefürworter hatten recht, wenn sie sagten, dass die Prohibition gescheitert war. Natürlich war sie gescheitert. Man musste nur nicht so tun, als sei jede Kritik an Cannabis automatisch Prohibition. Man konnte für Legalisierung sein und trotzdem über Psychosen sprechen.</p>



<p>Über Abhängigkeit. Über problematischen Konsum. Über Jugendliche.</p>



<p>Über Menschen, die Cannabis nicht zur Entspannung nutzen, sondern weil sie ohne Rausch ihren Alltag kaum noch aushalten. Über die Frage, warum manche Menschen konsumieren. Nicht nur, dass sie konsumieren.</p>



<p>Das war mir wichtig. Vielleicht auch, weil ich Mutter bin. Vielleicht, weil ich vorher schon genug politische Debatten gesehen hatte, in denen alle so sehr recht haben wollten, dass niemand mehr zuhörte. Vielleicht auch einfach, weil ich keine Lust hatte, ein neues Thema mit alten Fehlern aufzubauen. Ich wollte nicht die zweite Alkoholbranche. Nur mit Hanfblatt und Bunter.</p>



<p>Alkohol ist in Deutschland so normal, dass man seine Schäden fast übersehen kann, wenn man nicht direkt betroffen ist. Er steht im Supermarkt neben der Grillkohle. Er gehört zum Fußball. Zum Geburtstag. Zur Hochzeit. Zum Feierabend. Zum Anstoßen. Zum Runterkommen. Zur Entschuldigung.</p>



<p>Zu fast allem.</p>



<p>Wenn jemand sagt, er trinke keinen Alkohol, muss er sich oft mehr erklären als jemand, der trinkt. Das allein sagt eigentlich schon genug. Und trotzdem wurde Cannabis behandelt, als würde eine einzelne Blüte mehr gesellschaftlichen Schaden anrichten als ein ganzes Bierzelt im August. Ich fand das absurd.</p>



<p>Aber aus dieser Absurdität folgte für mich nicht, dass Cannabis verharmlost werden muss. Im Gegenteil. Gerade weil Alkohol so normalisiert wurde, hätte man daraus lernen können. Man hätte sagen können: Wir machen es diesmal besser. Nicht mit Werbung. Nicht mit Konsumdruck. Nicht mit Rabatten. Nicht mit kommerzieller Erwartung. Nicht mit „stell dich nicht so an“.</p>



<p>Sondern mit klaren Regeln, Wissen, Begrenzung, Prävention und einer Kultur, in der man auch sagen kann: Für dich ist das vielleicht gerade keine gute Idee. Das wäre erwachsen gewesen. Also vermutlich nicht besonders deutsch.</p>



<p>Ich las weiter. Ich schaute mir Webseiten an. Foren. Positionspapiere. Berichte. Initiativen. Ich fand Menschen, die sehr klug über Drogenpolitik schrieben. Ich fand Menschen, die seit Jahren für Entkriminalisierung kämpften und denen man anmerkte, dass sie müde waren von der immer gleichen moralischen Panik. Ich fand aber auch Seiten, auf denen Cannabis so verklärt wurde, dass man fast erwartete, die Pflanze löse nebenbei noch den Fachkräftemangel, die Mietpreise und emotionale Defizite aus der Kindheit.</p>



<p>Heilpflanze. Freiheitspflanze. Widerstandspflanze. Alles gleichzeitig.</p>



<p>Das war mir zu viel Last für eine Pflanze. Cannabis ist eine Pflanze.</p>



<p>Eine interessante Pflanze.Eine wirksame Pflanze. Eine Pflanze mit Geschichte, Politik, Medizin, Kultur, Risiko und Nutzen.Aber keine Heilige. Und kein Dämon.</p>



<p>Vielleicht war genau das mein Problem mit der Debatte. Sie war zu selten erwachsen. Die einen sprachen über Cannabis, als müsse man die Bevölkerung vor einer grünen Apokalypse retten. Die anderen sprachen darüber, als sei jedes Risiko nur eine Erfindung von Menschen, die noch nie entspannt waren.</p>



<p>Ich wollte weder Apokalypse noch Räucherstäbchen. Ich wollte Realität. Und Realität ist meistens weniger bequem als beide Lager. Realität bedeutet: Manche Menschen konsumieren gelegentlich und unproblematisch. Manche konsumieren zu viel. Manche nutzen Cannabis medizinisch sinnvoll. Manche benutzen medizinische Begriffe, weil sie eigentlich nur einfacher an Cannabis kommen wollen. Manche Jugendliche sollten besser nicht konsumieren. Manche Erwachsene sollten auch besser nicht konsumieren. Manche profitieren von klaren Regeln. Manche testen Grenzen. Manche hören zu. Manche lesen nicht einmal die Überschrift.</p>



<p>Wer eine Anbauvereinigung gründen will, muss mit all diesen Menschen rechnen. Nicht mit der idealen Version von Mitgliedern. Mit echten. Das wusste ich damals noch nicht in dieser Klarheit. Aber ich ahnte es. Und vielleicht war genau diese Ahnung der Grund, warum mich die Idee eines nicht-kommerziellen Vereins interessierte. Nicht, weil Vereine und Gemeinschaft automatisch bessere Menschen hervorbringen. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, den ich später noch gründlich kennenlernen durfte.</p>



<p>Sondern weil ein Verein zumindest die Möglichkeit bietet, Regeln nicht nur als Verkaufsbedingung zu verstehen, sondern als gemeinsamen Rahmen. Mitgliedschaft ist etwas anderes als Kundschaft.</p>



<p>Zumindest sollte sie das sein. Kundschaft fragt: Was bekomme ich? Mitgliedschaft fragt im besten Fall auch: Wie kann ich unterstützen? Das ist ein großer Unterschied. Und ein sehr anstrengender.</p>



<p>Ein nicht-kommerzieller Cannabisverein durfte für mich nicht einfach ein Shop mit Vereinsregistereintrag werden. Nicht: möglichst viele Menschen, möglichst viel Abgabe, möglichst wenig Reibung. Sondern: begrenzter Zugang, nachvollziehbare Prozesse, Prävention, Jugendschutz, Gesundheitsschutz, Dokumentation und eine klare Haltung. Nicht, weil Regeln Spaß machen. Regeln machen selten Spaß.</p>



<p>Aber sie verhindern manchmal, dass aus Freiheit einfach nur der lauteste Wunsch gewinnt. Ich hatte keine Lust, Cannabis schönzureden. Ich hatte Lust, die Diskussion ehrlich zu führen. Und das war überraschend schwer. Denn Ehrlichkeit ist in politischen Debatten oft unbeliebt.</p>



<p>Sie macht beide Seiten unzufrieden. Den Gegnern ist sie nicht streng genug. Den Fans ist sie nicht begeistert genug. Ehrlichkeit ist selten kampagnentauglich. Aber sie ist ziemlich nützlich, wenn man später wirklich etwas aufbauen will. Ich merkte: Wenn ich mich mit diesem Thema beschäftige, dann nicht als Teil einer Jubelveranstaltung. Nicht als Gegenpol zur Verbotspanik, der einfach nur lauter „Freiheit“ ruft. Sondern mit einem ziemlich trockenen Satz im Kopf:</p>



<p>Cannabis ist weder Teufelszeug noch Brokkoli</p>



<p>Aber es wirkt. Und alles, was wirkt, braucht Verantwortung. Dieser Satz wurde für mich zu einer Art innerem Filter. Wenn jemand Cannabis verteufelte, dachte ich: Es ist kein Teufelszeug.</p>



<p>Wenn jemand Cannabis verklärte, dachte ich: Aber es ist auch kein Brokkoli.</p>



<p>Wenn jemand sagte, ein Club könne das schon irgendwie regeln, dachte ich: Verantwortung ist kein irgendwie.</p>



<p>Wenn jemand meinte, Prävention sei ein lästiger Behördenbaustein, dachte ich: Dann habt ihr das Prinzip nicht verstanden. Prävention war für mich nicht der langweilige Teil. Prävention war der Unterschied zwischen Stefan Raabs „Wir kiffen“ und „Wir haben verstanden, was wir da tun“. Das klingt vielleicht streng. Ist es auch.</p>



<p>Aber ich glaube, es braucht diese Strenge, wenn man Normalität ernst meint. Normalität bedeutet nicht, dass etwas egal ist. Normalität bedeutet, dass man damit umgehen kann, ohne zu übertreiben und ohne wegzusehen.</p>



<p>Ich wollte, dass Cannabis aus der Schmuddelecke kommt. Aber nicht direkt in die Werbebroschüre.</p>



<p>Ich wollte, dass Erwachsene legal konsumieren können. Aber nicht, dass Konsum zur Identitätspflicht wird. Ich wollte, dass Menschen nicht kriminalisiert werden. Aber auch nicht, dass jede kritische Nachfrage sofort als Verrat gilt.</p>



<p>Kurz gesagt: Ich wollte eine Legalisierung, die erwachsen genug ist, Widersprüche auszuhalten. Das war vermutlich der Moment, in dem ich endgültig verloren hatte.</p>



<p>Denn wenn man anfängt, bei einem politischen Thema Widersprüche ernst zu nehmen, ist man sehr schnell nicht mehr Zuschauerin. Man beginnt, Modelle zu vergleichen. Man fragt sich, wie andere Länder es machen. Man liest über Spanien. Über Clubs. Über Mitgliedschaft. Über ENCOD. Über Vereinsstrukturen. Über Risiken. Über rechtliche Grauzonen.</p>



<p>Über alles, was man eigentlich nicht lesen müsste, wenn man rechtzeitig den Müll runtergebracht hätte.</p>



<p>Und langsam wurde aus einer Idee eine Richtung. Nicht: Cannabis muss endlich überall verkauft werden. Nicht: Alle sollen machen, was sie wollen.</p>



<p>Sondern: Es müsste möglich sein, eine legale, verantwortliche, nicht-kommerzielle Struktur aufzubauen, die weder kriminalisiert noch verklärt. Eine Struktur, die Erwachsene ernst nimmt. Eine Struktur, die Jugendliche schützt. Eine Struktur, die nicht auf Konsummaximierung angewiesen ist.</p>



<p>Eine Struktur, die sagt: Wir tun das nicht, weil Cannabis harmlos ist. Wir tun das, weil Verbote nicht ehrlich waren und der Schwarzmarkt keine Präventionskonzepte schreibt.</p>



<p>Das war der Kern. Und dieser Kern ließ mich nicht mehr losn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was davon bleibt</h2>



<p>Wenn ich heute auf diese Phase zurückblicke, war sie wichtiger, als sie damals wirkte.</p>



<p>Denn bevor man Räume sucht, Satzungen schreibt, Behörden kontaktiert oder Kredite aufnimmt, muss man wissen, warum man es überhaupt tut. Nicht nur politisch. Persönlich.</p>



<p>Meine Antwort war nicht: weil Cannabis toll ist. Meine Antwort war: weil erwachsene Menschen einen ehrlichen, legalen und verantwortlichen Umgang mit Cannabis verdienen und können.</p>



<p>Und weil eine Gesellschaft, die Alkohol als Kulturgut behandelt, bei Cannabis nicht plötzlich so tun sollte, als sei sie von der Sorge um die Jugend völlig überwältigt. Diese Sorge wäre glaubwürdiger, wenn sie konsequent wäre. War sie aber selten.</p>



<p>Deshalb wollte ich kein Modell, das Cannabis einfach feiert. Ich wollte ein Modell, das Verantwortung organisiert.Das klingt weniger sexy. Aber es hält länger.</p>



<p>Und es war der Grund, warum ich nach der ersten Google-Suche nicht aufhörte zu lesen. Ich suchte nicht nach einem Rausch. Ich suchte nach einer Struktur.</p>



<p>Glückerweise oder leider fand ich irgendwann eine.</p>



<p>Hinweis:</p>



<footer class="glz-column-post-note">
    <p>
      Diese Kolumne erzählt persönliche Erfahrungen aus der Gründung und Arbeit der Green Leaf Society e.V. Sie ist keine Werbung für Cannabis und kein Konsumanreiz, sondern ein Einblick in Vereinsarbeit, Legalisierung und Verantwortung.
    </p>
    <p>
      Green Leaf Society e.V. ist eine nicht-kommerzielle Anbauvereinigung in Berlin. Informationen zu Mitgliedschaft, Voraussetzungen, Beiträgen, Prävention und Vereinsstruktur findest du auf den Informationsseiten des Vereins.
    </p>
  </footer>
</article>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://greenleafz.de/folge-2-weder-teufelszeug-noch-brokkoli/">Folge 2- Weder Teufelszeug noch Brokkoli</a> erschien zuerst auf <a href="https://greenleafz.de">Green Leaf Society e.V.</a>.</p>
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		<title>Folge 1- Ich hätte mal lieber den Müll runter bringen sollen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 14:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Folge 01 · Weibliche Bl&#252;ten, m&#228;nnliche B&#252;hnen Der Müll stand wahrscheinlich wirklich noch da. Ich weiß es nicht mehr sicher. Aber es fühlt sich wahr an. Und manchmal ist das bei Erinnerungen gefährlich nah an der Realität. Was ich sicher weiß: Ich saß im Frühjahr 2023 vor dem Fernseher und wollte nach zwei Jahren Parteimitgliedschaft&#8230;&#160;<a href="https://greenleafz.de/folge-1-ich-haette-mal-lieber-den-muell-runter-bringen-sollen/" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Folge 1- Ich hätte mal lieber den Müll runter bringen sollen</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://greenleafz.de/folge-1-ich-haette-mal-lieber-den-muell-runter-bringen-sollen/">Folge 1- Ich hätte mal lieber den Müll runter bringen sollen</a> erschien zuerst auf <a href="https://greenleafz.de">Green Leaf Society e.V.</a>.</p>
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<article class="glz-column-post">
  <header class="glz-column-post-hero">
    <p class="glz-kicker">Folge 01 · Weibliche Bl&uuml;ten, m&auml;nnliche B&uuml;hnen</p>
   
    <p class="glz-column-post-lead">Der Müll stand wahrscheinlich wirklich noch da.
Ich weiß es nicht mehr sicher. Aber es fühlt sich wahr an. Und manchmal ist das bei Erinnerungen gefährlich nah an der Realität.</p>
  </header>



<p>Was ich sicher weiß: Ich saß im Frühjahr 2023 vor dem Fernseher und wollte nach zwei Jahren Parteimitgliedschaft bei den Freien Wählern in Berlin-Lichtenberg mit Politik eigentlich nichts mehr zu tun haben.</p>



<p>Das war kurz nach einer Zeit, in der ohnehin alle gesellschaftlichen Nerven blank lagen. Die Pandemie hatte Familien, Freundschaften und Kollegenkreise an Impfentscheidungen, Verordnungen und Grundsatzfragen zerrieben. Plötzlich war jeder Virologe, Verfassungsrechtler, Gesellschaftskritiker und Experte für alles, was gerade in die eigene Wut passte.</p>



<p>Mein Eintritt in eine Partei war damals auch ein Versuch gewesen, mit der eigenen Unzufriedenheit anders umzugehen. Nicht nur meckern. Nicht nur hoffen, dass andere etwas tun. Sondern das Umfeld, in dem meine Familie und ich leben, aktiv mitgestalten.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wenn du Veränderung willst, beweg deinen eigenen Arsch“</p>
</blockquote>



<p>Das war schon immer eher meine Devise als ein inspirierender Kalenderspruch.</p>



<p>Also ging ich in die Kommunalpolitik. Und lernte relativ schnell, dass Veränderungswille und Parteiarbeit nicht automatisch dasselbe sind. Es gab viel Klein-Klein. Viele Diskussionen. Viel Energie, die in Zuständigkeiten, Befindlichkeiten und interne Reibung floss. Eine echte Agenda, auf die sich alle mit Kraft und Richtung hätten einigen können, blieb für mich zu oft hinter Verfahren, Eitelkeiten und Grundsatzdebatten stecken.</p>



<p>Der Landesvorstand war zwar offen homosexuell, aber in vielen politischen Fragen konservativer als Philipp Amthors Kleidungsstil. Und ungefähr so innovationsfreudig, wie man es von Gremien erwartet, die Veränderung vor allem dann mögen, wenn sie vorher ordentlich vertagt wurde.</p>



<p>Beim Bundesvorstand dachte ich lange: Bayern ist weit genug weg. Was dort passiert, wird in Berlin schon nicht allzu viel kaputt machen.</p>



<p>Das war optimistisch.</p>



<p>Nach einer bundespolitischen Affäre, bei der Verantwortung wieder einmal sehr kreativ ausgelegt wurde, war für mich endgültig das Fass voll. Nicht, weil ich erwartet hätte, dass Politik fehlerfrei ist. Sondern weil ich irgendwann keine Lust mehr hatte, Verantwortung immer nur als Wort zu hören, während sie praktisch irgendwo zwischen Presseerklärung und nächster Ausrede verschwand.</p>



<p>Also trat ich aus.</p>



<p>Der Austritt war eine gute Entscheidung. Eine richtige Entscheidung. Und für mich persönlich eine notwendige Entscheidung. Ich war durch mit Parteipolitik. Sie hielt ungefähr bis zur nächsten Pressekonferenz der Bundesregierung.</p>



<p>Karl Lauterbach und Cem Özdemir saßen vor Kameras und erklärten, dass Cannabis in Deutschland legaler und sicherer werden sollte. Nicht legal. Nicht normal. Nur ein bisschen legaler.</p>



<p>Deutschland wollte ja nicht gleich übermütig werden. Es sollte Eigenanbau geben. Besitzgrenzen. Regeln. Gemeinschaftlichen Anbau. Und dann fiel ein Begriff, den ich vorher noch nie gehört hatte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Cannabis Social Clubs.</strong></h3>



<p>Ich hätte an dieser Stelle aufstehen sollen. Nicht aus politischen Gründen. Aus Selbstschutz.</p>



<p>Ich hätte den Müll runterbringen können. Das wäre vernünftig gewesen. Harmlos. Erwachsen. Niemand hat je versehentlich Berlins erste Anbauvereinigung gegründet, weil er den Müll runtergebracht hat.</p>



<p>Stattdessen nahm ich mein Handy in die Hand. Und googelte.</p>



<p>Das war rückblickend betrachtet meine erste Fehlentscheidung in einer langen Reihe sehr engagierter Fehlentscheidungen. Ein paar Monate später würde ich private Ersparnisse einsetzen, Mietverträge unterschreiben, mit Bauämtern schreiben, Konzepte überarbeiten, Behördenmails formulieren und lernen, dass 200 Meter Abstand in Berlin heißt: &#8222;Sorry.Ich habe heute leider kein Foto für dich&#8220;. </p>



<p>Aber an diesem Tag wusste ich davon nichts. An diesem Tag saß ich einfach nur vor den Nachrichten und dachte: Was soll das denn sein? Cannabis Social Clubs. Das klang angenehm harmlos. Fast gemütlich. Nach Menschen, die sich treffen, Regeln haben, vielleicht sogar Protokoll führen. Also eigentlich sehr deutsch. Nur eben mit Cannabis.</p>



<p>Ich war nie der Mensch, der bei Cannabis sofort an Weltuntergang dachte. Aber ich war auch nie der Mensch, der so tat, als sei Cannabis einfach Gemüse mit einer besseren PR. Alles, was wirkt, kann auch schaden. Wer das Gegenteil behauptet, verkauft entweder etwas oder hat nicht lange genug hingeschaut. Genau deshalb störte mich diese deutsche Doppelmoral so sehr. Alkohol durfte Kultur sein. Tabak durfte Gewohnheit sein. Cannabis war Gefahr.</p>



<p>Nicht einfach ein Risiko unter anderen, über das man ehrlich sprechen müsste.</p>



<p>Gefahr. Sonderfall. Rauschgift. Sodom und Gomorha.</p>



<p>Gleichzeitig war es völlig normal, wenn auf Volksfesten neben dem Autoscooter getrunken wurde, während Kinder Zuckerwatte aßen und Erwachsene Brauchtum mit Kontrollverlust verwechselten. Bei der Einschulung wird nicht zuerst gefragt, wer kommt, sondern wo das Radeberger nächste Woche im Angebot ist. Auf Familienfeiern wurde Alkohol nicht nur angeboten. Er wurde erwartet.</p>



<p>Auf Firmenfeiern wurde er zur offiziellen Erlaubnis, den Kollegenden aus der Buchhaltung plötzlich sehr ungewohnt tiefgründig zu finden.</p>



<p>Aber Cannabis? Da musste Deutschland erst einmal sehr ernst schauen.</p>



<p>Ich hielt das Verbot schon lange für unsinnig. Nicht, weil ich Cannabis romantisieren wollte. Sondern weil Verbote selten dadurch besser werden, dass man ihre Widersprüche möglichst lange nicht anschaut. Mein letzter Ausflug nach Amsterdam war damals schon eine Weile her. Und ehrlich gesagt war Cannabis nie der Hauptgrund gewesen, in die Niederlande zu fahren.</p>



<p>Amsterdam war Amsterdam.</p>



<p>Die Grachten. Die Häuser. Der Blumenmarkt. Diese Mischung aus Schönheit, Tourismus, Fahrrädern und geordnetem Chaos, von dem einige Teile Deutschlands nur träumen können.</p>



<p>Coffeeshops waren dort einfach da. Nicht als Sensation. Nicht als gesellschaftlicher Untergang. Nicht als Sondermeldung &#8230;&#8220;Aber die armen Kinder&#8220;</p>



<p>Man konnte hineingehen oder vorbeigehen. Beides war möglich.</p>



<p>Niemand fiel vom Glauben ab. Keine ältere Dame wurde beim Anblick einer Coffeeshop-Tür spontan kriminell. Kein Kind explodierte, weil irgendwo Erwachsene etwas taten, das nicht für Kinder bestimmt war.</p>



<p>Es war normal. Vielleicht war genau das das Irritierende. Normalität. Nicht Verherrlichung. Nicht Panik.</p>



<p>Einfach ein erwachsener Umgang. Deutschland kann mit Normalität schlecht umgehen, wenn vorher jahrzehntelang Gefahr draufstand. Dann braucht Normalität erst einmal ein Konzept, eine Zuständigkeit und ganz viel Bussgeldvorschriften.</p>



<p>Also googelte ich weiter.</p>



<p>Cannabis Social Clubs. Säule 1. Säule 2. Legalisierung. Spanien. Barcelona. ENCOD. Deutschland. Vereinsgründung.</p>



<p>Das Internet ist gefährlich für Menschen mit Ehrgeiz. Man beginnt mit einer harmlosen Frage und endet mit zwölf geöffneten Tabs, drei PDF-Dateien, einem neuen Ordner auf dem Desktop und dem sehr falschen Gefühl, man hätte die Sache jetzt im Griff. Sehr schnell merkte ich: Das Thema war nicht neu. Nur für mich war es neu.</p>



<p>Es gab Initiativen. Webseiten. alte Kämpfe, neue Hoffnungen, Konzepte, Forderungen und Menschen, die seit Jahren für eine andere Drogenpolitik arbeiteten. Das verdient Respekt.</p>



<p>Viele hatten Risiken getragen, Öffentlichkeit hergestellt, diskutiert, gestritten und Türen offengehalten, als Cannabis politisch noch nicht nach Regierungsprojekt klang, sondern nach Randthema mit der Gefahr, wegen zwei Gramm Cannabisblüten sein geordnetes Leben zu verlieren</p>



<p>Aber gleichzeitig merkte ich auch: Ich suchte nach etwas anderem.</p>



<p>Viele deutsche Seiten wirkten auf mich laut. Sehr laut. Zu männlich. Zu selbstgewiss. Zu sehr: Wir erklären euch jetzt mal Cannabis.</p>



<p>Es gab viele Männer, die Cannabis erklärten. Männer, die Freiheit erklärten. Männer, die Verantwortung erklärten. Männer, die ungefähr so wirkten, als hätten sie schon mit der Pflanze gesprochen, bevor die Berliner Mauer gebaut wurde. Das muss nicht automatisch schlecht sein. Manche von ihnen hatten wirklich Ahnung. Manche hatten Erfahrung. Manche hatten sich jahrelang ernsthaft engagiert.</p>



<p>Aber Erfahrung schützt nicht vor Selbstdarstellung. Und gute Absichten schützen nicht davor, dass eine Bühne irgendwann wichtiger wird als die Arbeit dahinter.</p>



<p>Manche Texte lasen sich, als sei Cannabis der heilige Gral zur Selbsterkenntnis. Auch das störte mich. Nicht, weil ich Cannabis dämonisieren wollte. Im Gegenteil. Gerade weil ich diese hysterische Sonderstellung falsch fand. Für Teile der Szene war Cannabis die missverstandene Wunderpflanze, die ungefähr alles heilt, außer vielleicht männliche Selbstüberschätzung.</p>



<p>Ich wollte beides nicht. Ich wollte keine Panik.</p>



<p>Aber ich wollte auch keine neue Branche, die aus den Fehlern von Alkohol und Tabak nur lernt, wie man Risiken hübscher verpackt. </p>



<p>Wenn Cannabis legaler werden sollte, dann bitte ehrlich. Nicht als neuer Heilsbringer. Nicht als Lifestyle-Versprechen. Sondern als erwachsene Entscheidung: Menschen konsumieren Cannabis. Sie tun es seit Jahrzehnten. Die Frage ist nicht, ob es passiert. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen.</p>



<p>Heimlich. Unkontrolliert. Über den Schwarzmarkt.</p>



<p>Oder legal, kontrolliert, gemeinschaftlich, mit klaren Regeln und echter Verantwortung. Das war der Punkt, an dem mich diese Idee packte. Nicht wegen der Pflanze allein. Sondern wegen der Struktur. Ein Social Club klang nach einem Modell zwischen Verbot und Verkauf.</p>



<p>Nicht Coffeeshop. Nicht Apotheke. Nicht Dealer. Nicht Konzern. Sondern Menschen, die sich organisieren. Gemeinschaft. Kontrolle. Mitgliedschaft. Regeln. Verantwortung.</p>



<p>Das war interessant. Und gefährlich.</p>



<p>Denn sobald ich etwas interessant finde, beginne ich zu sortieren. Ich lese nicht einfach nur. Ich lege Ordner an. Ich vergleiche. Ich rechne. Ich frage mich, wer was machen müsste, wo die Kosten liegen, welche Risiken entstehen, wer zuständig wäre, welche Menschen man bräuchte und an was Deutschland sich ausdenken könnte um das ganze Konzept wieder zu zerstören.</p>



<p>Andere Menschen schauen eine Pressekonferenz und sagen: „Mal sehen, was daraus wird.“ Ich schaue eine Pressekonferenz und denke irgendwann: „Wie soll das in der Realität aussehen“ Das ist keine schöne Eigenschaft. Aber eine praktische.</p>



<p>Ich las über Spanien. Über Clubs in Barcelona. Über Modelle, die nicht perfekt waren, aber anders. Gewachsener. Sozialer. Weniger nach Hochglanzmarkt, mehr nach Mitgliedschaft. Nicht alles daran gefiel mir.</p>



<p>Manche Seiten wirkten touristisch. Manche zu locker. Manche zu weit weg von dem, was in Deutschland überhaupt denkbar wäre. Aber da war ein Kern, der mich nicht mehr losließ. </p>



<p>Ein Verein als Schutzraum. Nicht vor Regeln. Sondern durch Regeln.</p>



<p>Ein Ort, an dem Erwachsene nicht kriminalisiert werden, aber auch niemand so tut, als sei Konsum ohne Verantwortung. Ein Modell, das nicht auf möglichst viel Verkauf angewiesen ist. Keine Konsummaximierung.</p>



<p>Kein „zwei Gramm gratis, wenn du einen Freund mitbringst“. Kein Rabattcode zum Black Friday.</p>



<p>Sondern eine Struktur, die sagt: Wir kennen unsere Mitglieder. Wir dokumentieren. Wir begrenzen. Wir sprechen über Risiken. Wir nehmen Jugendschutz ernst. Wir nehmen Gesundheitsschutz ernst. Und wir tun so, als wären erwachsene Menschen erwachsen.</p>



<p>Das klang für mich vernünftig. Was in Deutschland immer ein Warnsignal ist. Vernünftige Ideen haben hier selten freie Fahrt. Sie bekommen einen Referentenentwurf, eine Übergangsfrist, widersprüchliche Zuständigkeiten und am Ende jemanden, der sagt: „Bitte reichen sie Anlage 42b bis zum 30.06. ein“</p>



<p>Trotzdem blieb ich dran. Ich las weiter. Ich klickte weiter. Ich wurde neugieriger. Aus einer Suche wurden mehrere Abende. Aus mehreren Abenden wurde ein Ordner. Aus einem Ordner wurde eine Idee, die sich nicht mehr schließen ließ.</p>



<p>Und irgendwo zwischen Tagesschau, Google und deutschem Grundmisstrauen passierte etwas, das ich damals noch nicht richtig verstand: Ich hörte auf, nur zuzuschauen. Das ist der gefährlichste Moment.</p>



<p>Nicht der Moment, in dem man sich aufregt. Aufregen ist einfach. Aufregen kostet nix.</p>



<p>Gefährlich wird es, wenn man anfängt zu fragen: Warum eigentlich nicht? Warum eigentlich kein Verein, der es anders macht? Warum eigentlich keine Struktur, die nicht auf Verharmlosung setzt, sondern auf Ehrlichkeit?</p>



<p>Warum eigentlich nicht in Berlin? Warum eigentlich nicht wir?</p>



<p>Der Müll stand übrigens immer noch da.</p>



<p>Die Idee auch. Nur die Idee hatte inzwischen deutlich bessere Chancen, ernst genommen zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was davon bleibt</h2>



<p>Wenn ich heute auf diesen Moment zurückblicke, wirkt er kleiner, als er war.</p>



<p>Eine Pressekonferenz. Ein Handy. Eine Google-Suche. Mehr nicht.</p>



<p>Aber viele große Projekte beginnen nicht mit einem Plan. Sie beginnen mit einem kleinen inneren Widerspruch. Bei mir war es dieser: Deutschland wollte Cannabis legalisieren, aber offenbar ohne wirklich darüber zu sprechen, was Legalität praktisch bedeutet.</p>



<p>Nicht politisch. Praktisch in der Lebensrealität.</p>



<p>Wer macht die Tür auf? Wer unterschreibt den Mietvertrag?</p>



<p>Wer erklärt dem Bauamt, dass eine Anbauvereinigung weder ein Coffeeshop noch eine Gärtnerei im klassischen Sinne ist? Wer schreibt das Präventionskonzept? Wer bezahlt die ersten Rechnungen?</p>



<p>Wer hält den Kopf hin, wenn aus einer Idee plötzlich Verantwortung wird? Damals wusste ich noch nicht, dass ich auf viele dieser Fragen später selbst antworten würde.</p>



<p>Ich wusste nicht, dass aus einer Google-Suche Geschichte werden würde.</p>



<p>Ich wusste nicht, dass ich irgendwann mit Bauämtern über Cannabis sprechen, private Risiken tragen und lernen würde, dass man in der Cannabis-Szene sogar falsch gewinnen kann.</p>



<p>Ich wusste nur: Ich hatte gegoogelt.</p>



<p>Und manchmal reicht das leider, damit die Dinge anfangen.</p>



<p>Hinweis:</p>



<footer class="glz-column-post-note">
    <p>
      Diese Kolumne erzählt persönliche Erfahrungen aus der Gründung und Arbeit der Green Leaf Society e.V. Sie ist keine Werbung für Cannabis und kein Konsumanreiz, sondern ein Einblick in Vereinsarbeit, Legalisierung und Verantwortung.
    </p>
    <p>
      Green Leaf Society e.V. ist eine nicht-kommerzielle Anbauvereinigung in Berlin. Informationen zu Mitgliedschaft, Voraussetzungen, Beiträgen, Prävention und Vereinsstruktur findest du auf den Informationsseiten des Vereins.
    </p>
  </footer>
</article>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Prolog &#8211; Hinter den Türen einer Anbauvereinigung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 07:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog · Hintern den Türen einer Anbauvereinigung Hinter den Türen einer Anbauvereinigung Als wir die ersten fünf Gramm legal angebautes Cannabis an ein Mitglied abgaben, dachte ich nicht daran, dass wir gerade Geschichte schrieben. Ich dachte daran, ob wir wirklich alle Reservierungen vorbereitet hatten. Das klingt kleinlich. War es aber nicht. Zwei Jahre Arbeit, private&#8230;&#160;<a href="https://greenleafz.de/folge-0-hinter-den-tueren-einer-anbauvereinigung/" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Prolog &#8211; Hinter den Türen einer Anbauvereinigung</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<article class="glz-column-post">
  <header class="glz-column-post-hero">
    <p class="glz-kicker">Prolog · Hintern den Türen einer Anbauvereinigung</p>
    <h1>Hinter den Türen einer Anbauvereinigung</h1>
    <p class="glz-column-post-lead">Als wir die ersten fünf Gramm legal angebautes Cannabis an ein Mitglied abgaben, dachte ich nicht daran, dass wir gerade Geschichte schrieben.</p>
  </header>



<p>Ich dachte daran, ob wir wirklich alle Reservierungen vorbereitet hatten.</p>



<p>Das klingt kleinlich. War es aber nicht.</p>



<p>Zwei Jahre Arbeit, private Ersparnisse, Mietverträge, Bauamt, Männer mit mehr Meinungen als Körperbehaarung, hunderte Seiten Konzepte und eine Operation zur denkbar schlechtesten Zeit lagen plötzlich in einer kleinen Verpackung auf dem Tisch.</p>



<p>Fünf Gramm Super Silver Haze.</p>



<p>Legal angebaut. Legal dokumentiert. Bereit für die erste legale Abgabe.</p>



<p><strong><a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/gras-aus-der-hauptstadt-erste-legale-cannabis-ernte-in-berlin-an-mitglieder-verteilt-13002208.html">In Berlin.</a></strong><br></p>



<p>Das war der Moment, auf den alles zugelaufen war. Und gleichzeitig war es nicht das Ende. Es war der Moment, in dem die Wirklichkeit anfing.</p>



<p>Ein deutscher Cannabis-Club, im Volksmund auch ganz liebevoll Anbauvereinigung genannt, ist kein Coffeeshop mit Vorsitz, Schatzmeister und Vereinsregistereintrag. Er ist auch keine bunte Dispensary, kein romantischer Kifferverein wie in Katalonien und kein Ort, an dem alle fröhlich mit einem brennenden Joint ums Lagerfeuer tanzen.</p>



<p>Anbauvereinigung und alles was sie ausmacht ist eigentlich der Inbegriff von Deutschland.</p>



<p>Es gibt Kleingartenvereine, Sportvereine, Schützenvereine, Hundezüchtervereine und vermutlich irgendwo auch einen Verein zur Förderung der sachgerechten Aufbewahrung von Vereinsordnern.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Vereine stehen in Deutschland für gesellschaftliches Engagement, soziales Leben, gemeinsame Regeln, Begegnung und das alte Bedürfnis, Gemeinschaft in eine Satzung zu gießen. Für Anbauvereine gilt diese alte Romantik nicht.</p>
</blockquote>



<p>Für Anbauvereine bedeutet Verein vor allem: Papierkrieg, Bauamt, Datenschutz, Prävention, Finanzamt, Beiträge, Dokumentation, Labor, Qualitätssicherung, Prozesse, Missverständnisse, Verantwortung und manchmal die sehr deutsche Frage, wer eigentlich die Tür öffnet.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:29% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="768" height="1024" src="https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2024/09/5bf7b098-31b1-4ff1-8f62-2efe4f399bbb-edited-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-958 size-full" srcset="https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2024/09/5bf7b098-31b1-4ff1-8f62-2efe4f399bbb-edited-768x1024.jpg 768w, https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2024/09/5bf7b098-31b1-4ff1-8f62-2efe4f399bbb-edited-225x300.jpg 225w, https://greenleafz.de/wp-content/uploads/2024/09/5bf7b098-31b1-4ff1-8f62-2efe4f399bbb-edited.jpg 795w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Ich bin Jana Halbreiter, Vorsitzende und Initiatorin der Green Leaf Society e.V., der ersten genehmigten Anbauvereinigung in Berlin.</p>



<p>In dieser Kolumne erzähle ich, wie es dazu kam.</p>
</div></div>



<p>Nicht als Legendstory. Nicht als Werbung. Nicht als „alles war blöd und dann kam endlich die Legalisierung“-Märchen. Sondern ehrlich. Mit einer Prise Humor. Mit vielen Aktenordnern. Mit noch mehr Pimmelpartys. </p>



<p>Von Menschen, die weinten, als sie zum ersten Mal legal Cannabis abholten. Von Menschen, die eine &#8222;fette Anzeige wegen Betrug&#8220; androhten. Von Männern, die Cannabis erklärten, als hätten sie persönlich die Photosynthese erfunden. Nicht alle Männer. Aber sind wir mal ehrlich: Es ist erstaunlich oft ein Mann. Von Frauen, die im Hintergrund die Arbeit machten, ohne die nichts funktioniert hätte.</p>



<p>Und von der Erkenntnis, dass die Pflanze am Ende nie das größte Problem war.</p>



<p>Die Wirkung kam aus weiblichen Blüten. Die Bühnen waren oft männlich. Und irgendwo dazwischen versuchten ein paar Frauen aus Ost-Berlin, aus einer guten Idee eine funktionierende, nicht-kommerzielle Anbauvereinigung zu machen.</p>



<p>Alles beginnt dort, wo viele schlechte Entscheidungen beginnen: vor dem Fernseher. Ich hätte damals einfach den Müll runterbringen können.</p>



<p>Habe ich aber nicht.</p>



<p>Ich nahm mein Handy in die Hand und googelte &#8222;<strong>CANNABIS SOCIAL CLUB BERLIN</strong>&#8222;.</p>



<p>Es gibt Google-Suchen, nach denen man Schuhe kauft, die man nie anzieht.</p>



<p>Und es gibt Google-Suchen, nach denen man zwei Jahre später private Ersparnisse einsetzt, Mietverträge unterschreibt, Behördenmails formuliert, Bauämter beschäftigt und von Männern erklärt bekommt, warum man leider alles falsch macht, obwohl man als Einzige schon einen Antrag eingereicht hat.</p>



<p>Meine Suche gehörte zur zweiten Sorte. Ich hätte an diesem Abend einfach den Müll runterbringen sollen.</p>



<p>Hinweis:</p>



<footer class="glz-column-post-note">
    <p>
      Diese Kolumne erzählt persönliche Erfahrungen aus der Gründung und Arbeit der Green Leaf Society e.V. Sie ist keine Werbung für Cannabis und kein Konsumanreiz, sondern ein Einblick in Vereinsarbeit, Legalisierung und Verantwortung.
    </p>
    <p>
      Green Leaf Society e.V. ist eine nicht-kommerzielle Anbauvereinigung in Berlin. Informationen zu Mitgliedschaft, Voraussetzungen, Beiträgen, Prävention und Vereinsstruktur findest du auf den Informationsseiten des Vereins.
    </p>
  </footer>
</article>



<p></p>
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